Warum Vieh und Geld sprachlich verwandt sind
Vieh ist die Gesamtheit der Nutztiere auf einem Hof, besonders Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen. Abwertend bezeichnet es einen rohen, brutalen Menschen.
Das Vieh steht im Stall oder auf der Weide: Kühe, Schweine, Schafe. Für frühere Generationen war es der wichtigste Besitz. Wie viel Vieh jemand hatte, zeigte, wie reich er war – deshalb hängt das Wort mit „Geld“ zusammen.
- Nutztiere eines Hofes. *Der Bauer treibt das Vieh auf die Alm.*
- Ugs.: Tier allgemein (Viech). *Was ist das für ein Viech?*
- Abwertend: roher Mensch. *Er hat sich benommen wie ein Vieh.*
Formen und Komposita
| Merkmal | Form | Beispiel |
|---|---|---|
| Genus | das Vieh (neutral) | das Vieh füttern |
| Genitiv | des Viehs / Viehes | die Zahl des Viehs |
| Plural | kein Plural (ugs. Viecher) | die Viecher im Garten |
| Kompositum | Milchvieh, Rindvieh | Milchvieh halten |
| Kompositum | Viehzucht, Viehmarkt | von der Viehzucht leben |
Beispielsätze
- Im Herbst wird das Vieh von der Alm abgetrieben.Süddeutsch und österreichisch: Almabtrieb.
- Du Rindvieh!Grobes, aber eher scherzhaftes Schimpfwort für einen dummen Menschen.
- Die Gefangenen wurden wie Vieh behandelt.Abwertend: unmenschlich, ohne Würde.
Herkunft: Vieh und Geld
Althochdeutsch *fihu* geht auf eine indogermanische Wurzel zurück, die auch in lateinisch *pecus*, „Vieh“, steckt. Von *pecus* leiteten die Römer *pecunia*, „Geld, Vermögen“, ab – Herden waren der früheste Maßstab für Reichtum. Auch englisch *fee*, „Gebühr“, gehört zu dieser Familie. Im Deutschen ist *Vieh* ein Sammelbegriff ohne Plural; wer einzelne Tiere meint, sagt *Stück Vieh*: *zwanzig Stück Vieh*. Die bairische und österreichische Form *Viech* (Plural *Viecher*) bezeichnet scherzhaft jedes Tier, auch Insekten.
Hat Vieh einen Plural?
Nein. Man zählt in *Stück Vieh*. Umgangssprachlich gibt es *Viecher* zu *Viech*.
Ist „Rindvieh“ eine Beleidigung?
Als Schimpfwort ja, aber ein eher harmloses, oft scherzhaft gebrauchtes.