Böse: schlecht, gemein, wütend – oder nur unartig?
Böse bedeutet moralisch schlecht oder schädlich, aber auch verärgert und, bei Kindern, unartig. Großgeschrieben ist das Böse das Prinzip des Schlechten.
Böse kann ein ganzes Weltbild meinen oder einen schlechten Tag. Im Märchen ist die Hexe böse, im Alltag ist man einem Freund böse, weil er zu spät kam. „Sei mir nicht böse“ heißt nicht „sei nicht schlecht“, sondern „sei nicht verärgert“. Der Unterschied liegt in der Konstruktion.
- Moralisch schlecht. *Im Film kämpft der Held gegen böse Mächte.*
- Verärgert (mit Dativ oder auf). *Bist du mir böse? / Sie ist böse auf ihn.*
- Unartig (bei Kindern). *Der Kleine war heute gar nicht böse.*
- Schlimm, unangenehm. *Das war eine böse Überraschung.*
Formen
| Merkmal | Form | Beispiel |
|---|---|---|
| Positiv | böse | ein böser Brief |
| Komparativ | böser | noch böser |
| Superlativ | am bösesten | der böseste Schurke |
| Substantiv | das Böse, der/die Böse | Gut und Böse |
| Ableitung | boshaft, Bosheit | eine boshafte Bemerkung |
Beispiele
- Böse Zungen behaupten, er habe abgeschrieben.Böse Zungen = Lästerer; distanziert ein Gerücht.
- Er meint es nicht böse.Nicht böse meinen = keine schlechte Absicht haben.
- Das wird ein böses Ende nehmen.Gehoben: Es geht schlecht aus.
Böse, schlecht und übel
- böse — betont Absicht oder Gefühl: *ein böser Mensch, böse sein*.
- schlecht — neutral: *schlechtes Wetter* ist nicht böse.
- übel — unangenehm, auch körperlich: *Mir ist übel.*
- Großschreibung: *das Böse*, *jenseits von Gut und Böse* (Buchtitel von Friedrich Nietzsche, 1886).
- Gefühlslage: Wer böse ist, empfindet oft Wut oder Kränkung.
Heißt es „böse auf“ oder „böse mit“?
Standard ist „jemandem böse sein“ oder „böse auf jemanden sein“. „Böse mit“ ist regional.
Wann schreibt man Böse groß?
Wenn es als Substantiv gebraucht wird: das Böse, nichts Böses.