Kerl: Vom freien Bauern zum „ganzen Kerl“
Ein Kerl ist umgangssprachlich ein Mann oder junger Mann, oft mit einem wertenden Zusatz wie „netter Kerl“ oder „mieser Kerl“. Je nach Ton klingt das Wort anerkennend, vertraut oder abfällig.
Ein Kerl ist ein Mann – aber selten nur das. Fast immer schwingt eine Wertung mit, die das Adjektiv davor bestimmt. „Ein ganzer Kerl“ ist ein großes Lob, „ein komischer Kerl“ dagegen ein deutliches Fragezeichen.
- Mann, junger Mann (umgangssprachlich). *Draußen wartet so ein Kerl auf dich.*
- Mit Wertung: Mensch von bestimmter Art. *Er ist ein feiner Kerl.*
- Liebevoll auch für Kinder, Tiere, Frauen. *Die Kleine ist ein tapferer Kerl.*
Formen
| Merkmal | Form | Beispiel |
|---|---|---|
| Genus | der Kerl (maskulin) | ein netter Kerl |
| Genitiv | des Kerls / Kerles | die Frechheit des Kerls |
| Plural | die Kerle | zwei kräftige Kerle |
| Plural (umgangssprachlich) | die Kerls | vor allem norddeutsch |
| Kompositum | das Kerlchen | ein kleines Kerlchen |
Beispielsätze
- Was will der Kerl hier?Abfällig, oft gegenüber Fremden.
- Du bist ein prima Kerl!Herzliches Lob unter Freunden; [prima](/dictionary/prima) ist umgangssprachlich.
- Der Hund ist ein lieber Kerl.Auch Tiere können ein Kerl sein.
Herkunft: ein Verwandter von „churl“
Kerl kam aus dem Niederdeutschen (mittelniederdeutsch *kerle*) ins Hochdeutsche. Es ist eng verwandt mit englisch *churl* (altenglisch *ceorl*), das einen freien Mann niedrigen Standes, einen Bauern, bezeichnete. Im Englischen sank das Wort zu „Grobian“ ab, im Deutschen wurde es zum lockeren Allerweltswort für Männer. Ein ähnlicher Ausdruck ist Typ, ein jüngeres Pendant der Bursche.
Ist Kerl eine Beleidigung?
Nicht von sich aus. Es ist umgangssprachlich und hängt stark vom Zusammenhang ab; in förmlichen Texten sagt man besser „Mann“.
Heißt es Kerle oder Kerls?
Standardsprachlich „Kerle“. „Kerls“ ist umgangssprachlich, besonders im Norden.