Vision: Zukunftsbild, Ziel oder Erscheinung
Eine Vision ist eine Vorstellung von der Zukunft, meist ein großes Ziel. Ursprünglich bezeichnet das Wort eine Erscheinung oder ein inneres Bild, etwa im religiösen Sinn.
Die Vision ist ein Wort für Menschen, die weiter sehen wollen als bis morgen. Firmen schreiben sie in Leitbilder, Politiker in Reden. Eine Vision ist ein Traum mit Arbeitsauftrag. Früher war sie dagegen etwas, das einem erschien, nicht etwas, das man plante.
- Zukunftsentwurf, großes Ziel. *Unsere Vision ist eine Stadt ohne Autos.*
- Erscheinung, übernatürliches Bild. *Die Heilige hatte eine Vision.*
- Trugbild, Einbildung. *Er glaubte an Visionen, die nur er sah.*
Formen
| Merkmal | Form | Hinweis |
|---|---|---|
| Genus | die Vision | Femininum |
| Genitiv | der Vision | unverändert |
| Plural | die Visionen | mit -en |
| Adjektiv | visionär | weitblickend |
| Person | der Visionär | wer Visionen hat |
Beispielsätze
- Der Gründer hatte eine klare Vision für sein Unternehmen.Wirtschaftssprache: Vision, Mission, Strategie.
- Im Fieber hatte sie seltsame Visionen.Hier: Halluzination, Trugbild.
- Er gilt als Visionär der Elektromobilität.Lob für Weitblick, manchmal ironisch gemeint.
Herkunft und ein berühmter Satz
Das Wort geht auf lateinisch *visio* »das Sehen, Anblick« zurück, zu *videre* »sehen«. Im Mittelalter war eine Vision eine religiöse Schau, wie bei Hildegard von Bingen. Die heutige Bedeutung »Zukunftsentwurf« hat sich erst im 20. Jahrhundert durchgesetzt, stark beeinflusst vom Englischen. Bekannt ist der Altkanzler Helmut Schmidt zugeschriebene Satz »Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen« – ein Spott über politisches Wunschdenken, der beide Bedeutungen geschickt vermischt.
Ist Vision dasselbe wie Ziel?
Nicht ganz. Ein Ziel ist konkret und messbar, eine Vision ist ein weiter gefasstes Bild der gewünschten Zukunft.
Ist »visionär« ein Lob?
Meistens ja. Es kann aber auch spöttisch klingen, wenn jemand Unrealistisches plant.