Der Tau, das Tau: Morgenfeuchte oder Schiffsseil?

„Der Tau“ ist der Niederschlag aus feinen Wassertropfen, der sich nachts auf kühlen Oberflächen bildet. „Das Tau“ ist ein dickes Seil, besonders auf Schiffen. „Das Tau“ ist auch ein griechischer Buchstabe.

Tau ist ein kleines Wort mit drei ganz verschiedenen Bedeutungen. Ob ein Seil oder ein Wassertropfen gemeint ist, verrät allein der Artikel: der Tau glitzert auf der Wiese, das Tau hält das Schiff am Kai. Beide Wörter haben auch unterschiedliche Herkunft.

Formen im Vergleich

Merkmalder Tau (Feuchte)das Tau (Seil)
Genitivdes Taus / Tauesdes Taus / Taues
Plural—die Taue
Verbtauen (es taut)vertäuen
KompositaMorgentau, Taupunkt, TautropfenTauziehen, Tauwerk
Herkunftahd. toumittelniederdeutsch tou

Beispielsätze

Zwei Wörter, ein Klang

*Der Tau* stammt von althochdeutsch *tou*; verwandt ist englisch *dew*. Tau entsteht, wenn sich Luft nachts abkühlt und ihren Wasserdampf nicht mehr halten kann; die Temperatur, ab der das geschieht, heißt *Taupunkt*. Bei Minusgraden bildet sich statt Tau Reif. *Das Tau* kommt dagegen aus der Seemannssprache Norddeutschlands und gehört zu einer Wurzel für „ziehen“. In der Wetterkunde ist auch Nebel eng mit dem Taupunkt verknüpft. Das Verb *tauen*, „schmelzen“, gehört zur Feuchtigkeit.

Heißt es der Tau oder das Tau?

Beides, je nach Bedeutung: der Tau ist die Feuchtigkeit, das Tau das Seil.

Hat „der Tau“ einen Plural?

Nein. Wer mehrere meint, spricht von *Tautropfen*.

Quellen

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