Frieden oder Friede? Zwei Formen, ein Ideal
Frieden ist der Zustand ohne Krieg und Gewalt, zwischen Staaten wie zwischen Menschen. Im übertragenen Sinn bedeutet er auch innere Ruhe und Harmonie.
Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg: Er meint auch Eintracht, Sicherheit und Ruhe. „Lass mich in Frieden!“ – das kleinste Friedensangebot des Alltags ist eine Bitte um Ruhe. Grammatisch hat das Wort zwei Grundformen.
- Zustand ohne Krieg. *Nach dem Krieg herrschte endlich Frieden.*
- Friedensvertrag. *Der Westfälische Frieden beendete 1648 den Dreißigjährigen Krieg.*
- Eintracht, Harmonie. *In der Familie herrscht Frieden.*
- Innere Ruhe. *Er fand seinen Frieden.*
Formen
| Merkmal | Form | Hinweis |
|---|---|---|
| Nominativ | der Frieden / der Friede | Friede gehoben |
| Genitiv | des Friedens | nur diese Form |
| Plural | die Frieden | selten (Friedensschlüsse) |
| Adjektiv | friedlich, friedfertig | friedlich = ohne Gewalt |
| Komposita | Friedensvertrag, Weltfrieden, Hausfrieden | Fugen-s |
Beispielsätze
- Lass ihn doch in Frieden!Umgangssprachlich: Hör auf, ihn zu stören.
- Ruhe in Frieden.Grabinschrift und Abschied, lateinisch *requiescat in pace*.
- Dem Frieden traue ich nicht.Redewendung: Die Ruhe wirkt verdächtig.
Frieden, frei und Freund
Das althochdeutsche *fridu* gehört zu einer Wurzel, die „lieben, schonen“ bedeutete. Aus derselben Wurzel stammen *frei* und Freund – und der Friedhof, der ursprünglich ein „eingefriedeter“, geschützter Hof war. Die Form *Friede* ist die ältere, *Frieden* hat sich im heutigen Deutsch durchgesetzt; beide sind korrekt. Der Gegenbegriff ist der Krieg; wer Frieden schließt, beendet einen Kampf.
Heißt es „Friede“ oder „Frieden“?
Beides ist richtig. *Frieden* ist im Alltag üblicher, *Friede* klingt gehoben oder feierlich (*Friede sei mit euch*).
Hat Friedhof etwas mit Frieden zu tun?
Ja, über einen Umweg: Althochdeutsch *frīthof* war ein eingehegter, „eingefriedeter“ Bereich um die Kirche. Erst später verstand man das Wort als Ort der Ruhe für die Toten.