Beruf oder Job? Ein Wort mit religiöser Geschichte
Ein Beruf ist eine erlernte, dauerhafte Tätigkeit, mit der jemand seinen Lebensunterhalt verdient, zum Beispiel Bäckerin, Lehrer oder Pflegekraft.
„Was sind Sie von Beruf?“ – diese Frage gehört im Deutschen zu fast jedem Kennenlernen. Der Beruf ist oft Teil der eigenen Identität. Ein Beruf ist mehr als ein Job: Man hat ihn gelernt, und man bleibt oft lange dabei. Hinter dem Wort steckt eine überraschende Geschichte.
- Erlernte Erwerbstätigkeit. *Sie ist von Beruf Tischlerin.*
- Berufsfeld, Tätigkeit. *Er arbeitet im sozialen Beruf.*
- Berufung, innere Bestimmung (gehoben). *Für ihn war die Musik kein Beruf, sondern eine Berufung.*
Formen
| Merkmal | Form | Beispiel |
|---|---|---|
| Genus | der Beruf | Der Beruf gefällt ihr. |
| Genitiv | des Beruf(e)s | die Anforderungen des Berufs |
| Plural | die Berufe | handwerkliche Berufe |
| Adjektiv | beruflich | beruflich unterwegs |
| Kompositum | Berufsschule | zweimal pro Woche in der Berufsschule |
Beispiele
- Was sind Sie von Beruf?Standardfrage, ohne Artikel: von Beruf.
- Sie ist Ärztin von Beruf.Berufsbezeichnungen stehen ohne Artikel: Er ist Lehrer.
- Ich bin beruflich in Zürich.Beruflich = aus Gründen der Arbeit.
Herkunft: von der Berufung zum Beruf
*Beruf* gehört zu *berufen* und bedeutete zunächst „Ruf, Berufung“ – etwa durch Gott. Martin Luther gebrauchte das Wort in seiner Bibelübersetzung auch für die alltägliche Tätigkeit des Menschen. Damit erhielt gewöhnliche Arbeit eine religiöse Würde. Der Soziologe Max Weber hat diesen Bedeutungswandel 1904/05 in seiner Schrift über die protestantische Ethik ausführlich untersucht.
Was ist der Unterschied zwischen Beruf und Job?
Ein Job ist oft vorübergehend und muss nicht erlernt sein. Ein Beruf beruht meist auf Ausbildung oder Studium.
Sagt man „Ich bin ein Lehrer“?
Nein. Bei Berufsangaben fällt der Artikel weg: Ich bin Lehrer. Mit Adjektiv steht er wieder: Ich bin ein guter Lehrer.