Vorwurf – wenn man jemandem etwas vorhält
Ein Vorwurf ist eine Äußerung, mit der man jemandem ein Fehlverhalten anlastet oder ihm Schuld gibt. Man kann anderen Vorwürfe machen oder sich selbst Vorwürfe machen.
Ein Vorwurf ist ein Satz mit einem unsichtbaren Zeigefinger: „Du hast schon wieder …“ Wer einen Vorwurf erhebt, verteilt Schuld – ob zu Recht oder zu Unrecht, entscheidet sich oft erst später. Im Streit fliegen die Vorwürfe hin und her, vor Gericht werden sie geprüft. Gute Streitkultur rät deshalb, statt Vorwürfen lieber Wünsche zu formulieren: „Ich wünsche mir“ statt „Du immer“.
- Tadel, Anschuldigung. *Ihr Vorwurf traf ihn hart.*
- Beschuldigung, Verdacht (öffentlich, juristisch). *Der Minister weist die Vorwürfe zurück.*
- Gegenstand eines Kunstwerks (veraltet). *Der Vorwurf des Gemäldes ist eine Jagdszene.*
Formen
| Merkmal | Form | Hinweis |
|---|---|---|
| Genus | der Vorwurf | maskulin |
| Genitiv | des Vorwurfs / Vorwurfes | beide korrekt |
| Plural | die Vorwürfe | mit Umlaut |
| Verb | vorwerfen | warf vor, hat vorgeworfen |
| Adjektiv | vorwurfsvoll | ein vorwurfsvoller Blick |
Beispiele
- Du musst dir keine Vorwürfe machen.Reflexiv: sich selbst die Schuld geben; tröstende Formel.
- Gegen den Trainer werden schwere Vorwürfe erhoben.Nachrichtensprache: Vorwürfe erheben.
- Sie sah ihn vorwurfsvoll an.Adjektiv: ohne Worte Tadel ausdrücken.
Vorwurf, Kritik und Anklage
- Vorwurf – persönlich und oft emotional; er unterstellt Schuld.
- Kritik – sachliche Bewertung; sie kann positiv oder negativ sein und muss keine Schuld zuweisen.
- Anklage – formeller Schritt vor Gericht durch die Staatsanwaltschaft.
- Herkunft: von *vorwerfen*, wörtlich „jemandem etwas vor die Füße werfen“. Die veraltete Bedeutung „Thema eines Werks“ ist eine Lehnübersetzung von lateinisch *obiectum* (das Entgegengeworfene).
Was heißt „sich Vorwürfe machen“?
Sich selbst die Schuld an etwas geben und deshalb ein schlechtes Gewissen haben.
Wie lautet der Plural von Vorwurf?
Die Vorwürfe, mit Umlaut.