Sitte: Brauch, Moral und – umgangssprachlich – Polizei
Eine Sitte ist eine in einer Gemeinschaft übliche, oft über Generationen überlieferte Verhaltensweise. Im Plural bezeichnen „Sitten“ auch das moralische Verhalten allgemein.
Sitten regeln, was man tut und was man lässt, auch wenn es kein Gesetz vorschreibt. Eine Sitte gilt, weil alle sie kennen, nicht weil ein Paragraf sie erzwingt. Deshalb unterscheiden sie sich von Land zu Land und von Dorf zu Dorf.
- Brauch, Gepflogenheit. *Bei uns ist es Sitte, zu Neujahr Linsen zu essen.*
- Plural: Umgangsformen, Benehmen. *Was sind denn das für Sitten?*
- Moral, Anstand. *Er verstieß gegen die guten Sitten.*
- Umgangssprachlich: Sittenpolizei, Abteilung für Sexualdelikte. *Der Fall wurde an die Sitte abgegeben.*
Formen
| Merkmal | Form | Hinweis |
|---|---|---|
| Genus | die Sitte | feminin |
| Plural | die Sitten | sehr häufig |
| Adjektive | sittlich, sittsam, sittenwidrig | verschiedene Nuancen |
| Wendung | Sitten und Gebräuche | fester Zwilling |
| Komposita | Sittenverfall, Sittengemälde | eher gehoben |
Beispielsätze
- Andere Länder, andere Sitten.Sprichwort: Fremdes Verhalten nicht vorschnell bewerten.
- Ein solcher Vertrag ist sittenwidrig und damit nichtig.Rechtssprache, vgl. § 138 BGB.
- Hier herrschen ja raue Sitten!Umgangssprachlich: Der Umgang ist grob.
Sitte, Brauch, Moral
*Sitte* geht auf althochdeutsch *situ* zurück, „Gewohnheit, Art“. *Brauch* betont eher die einzelne, oft festliche Handlung, *Sitte* die allgemeine Norm. Die Moral schließlich ist das Urteil über gut und böse, das hinter vielen Sitten steht. Wer gegen die Sitte verstößt, verletzt den Anstand, nicht unbedingt das Recht. Das Bürgerliche Gesetzbuch macht jedoch eine Ausnahme: Ein Rechtsgeschäft, das „gegen die guten Sitten verstößt“, ist nach § 138 nichtig.
Was bedeutet „Was sind das für Sitten?“
Ein empörter Ausruf über schlechtes Benehmen.
Was ist „die Sitte“ bei der Polizei?
Umgangssprachlich das Kommissariat für Sexualdelikte und Prostitution, früher „Sittenpolizei“.