Grimm: verhaltener Zorn – und ein berühmter Familienname
Grimm ist ein gehobenes, etwas altertümliches Wort für unterdrückten, verbissenen Zorn. Davon abgeleitet sind die Adjektive grimmig und ingrimmig.
Grimm ist kein lauter Wutausbruch, sondern ein Zorn, der in jemandem arbeitet. Man spürt ihn eher in zusammengebissenen Zähnen als in Geschrei. Wer voller Grimm ist, schweigt oft – aber man sieht es ihm an. Das Wort wirkt heute literarisch und leicht altertümlich.
- Verhaltener, verbissener Zorn. *Voller Grimm sah er dem Sieger nach.*
- Heftige, wilde Wut (älter, dichterisch). *Der Grimm des Sturmes riss Dächer fort.*
- Familienname (Eigenname). *Die Brüder Grimm sammelten Märchen.*
Formen
| Merkmal | Form | Hinweis |
|---|---|---|
| Genus | der Grimm | maskulin |
| Genitiv | des Grimms / Grimmes | beide möglich |
| Plural | — | nicht gebräuchlich |
| Adjektiv | grimmig | ein grimmiger Blick |
| Ableitung | ingrimmig, Ingrimm | gehoben |
Beispiele
- Mit stillem Grimm nahm er die Niederlage hin.Gehoben, typisch für Erzähltexte.
- Der Türsteher schaute grimmig auf die Gruppe.Das Adjektiv ist viel häufiger als das Substantiv.
- Es war grimmig kalt in dieser Nacht.Umgangssprachlich verstärkend: sehr kalt.
Grimm, Zorn und Wut
*Wut* ist der Alltagsbegriff, Zorn klingt würdevoller, *Grimm* ist der dunkelste der drei: ein Zorn, der lange anhält und sich gegen etwas richtet. Das Wort stammt vom althochdeutschen *grimmi* „wild, grausam“. Der Familienname *Grimm* hat dieselbe Wurzel. Jacob und Wilhelm Grimm, berühmt durch ihre Kinder- und Hausmärchen, begannen außerdem das *Deutsche Wörterbuch* – das Werk wurde erst 1961 abgeschlossen, über hundert Jahre nach dem Tod der Brüder. Darin steht natürlich auch der Eintrag *Grimm*.
Kann man „Grimm“ heute noch benutzen?
Ja, aber vor allem in literarischen oder ironischen Texten. Im Alltag sagt man eher Wut oder Ärger; das Adjektiv *grimmig* ist dagegen ganz geläufig.
Was ist das Grimmsche Wörterbuch?
Das von Jacob und Wilhelm Grimm begonnene *Deutsche Wörterbuch*, eines der größten historischen Wörterbücher der deutschen Sprache, heute auch online frei zugänglich.