Ruf oder Anruf? Vom Schrei bis zum guten Namen
Ruf bezeichnet einen lauten Ausruf oder Schrei, das Ansehen einer Person in der Öffentlichkeit und an Hochschulen das Angebot einer Professur.
Ein Ruf kann in Sekunden verhallen oder ein ganzes Leben überdauern. Das Wort stammt vom Verb *rufen* und meint zuerst den Laut. Daraus wurde das, was andere über jemanden sagen. Ein guter Ruf ist schnell verloren und nur langsam wieder aufgebaut.
- Lauter Ausruf, Schrei. *Ein Ruf hallte durch den Wald.*
- Ansehen, Leumund. *Die Firma hat einen ausgezeichneten Ruf.*
- Berufung auf eine Professur. *Sie erhielt einen Ruf nach Wien.*
- Aufforderung, Appell. *Der Ruf nach Reformen wird lauter.*
Formen
| Merkmal | Form | Beispiel |
|---|---|---|
| Genus | der Ruf | ein lauter Ruf |
| Genitiv | des Rufs / des Rufes | die Wahrung des Rufes |
| Plural | die Rufe | Rufe aus dem Publikum |
| Verb | rufen, rief, gerufen | Er rief um Hilfe. |
| Komposita | Hilferuf, Rufnummer, Weckruf | Rufnummer 112 |
Beispiele
- Sein Ruf eilt ihm voraus.Man kennt seine Eigenschaften, bevor man ihn trifft.
- Der Skandal hat ihren Ruf ruiniert.Im Sinn von Ansehen gibt es keinen Plural.
- Er hat den Ruf an die Universität Basel angenommen.Fachsprache der Hochschulen.
Ruf, Anruf und Berufung
- Ruf — der Laut oder das Ansehen.
- Anruf — ein Telefonat: *Ich warte auf einen Anruf.*
- Berufung — Ernennung oder innerer Drang zu einem Beruf; verwandt mit Ruf, weil man sich „gerufen“ fühlt.
- Leumund — älteres, eher juristisches Wort für den Ruf.
- Sprichwort: *Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert* – ironisch für jemanden, der nichts mehr zu verlieren hat.
Hat Ruf einen Plural?
Ja, die Rufe – aber nur für Schreie oder Aufforderungen, nicht für das Ansehen.
Was bedeutet „Rufbereitschaft“?
Man muss im Dienst erreichbar sein und kommt nur, wenn man gerufen wird, etwa im Krankenhaus.