Lippe: Teil des Mundes und Stoff für viele Redewendungen
Die Lippe ist einer der beiden beweglichen, weichen Ränder des Mundes. Ober- und Unterlippe spielen beim Sprechen, Essen und Küssen eine zentrale Rolle.
Die Lippe umrahmt den Mund und ist eine der empfindlichsten Stellen des Körpers. Kein Wunder, dass sie in vielen Redensarten vorkommt. Was einem nicht über die Lippen kommt, bleibt unausgesprochen. Meist spricht man im Plural von den Lippen, denn es gibt immer eine Ober- und eine Unterlippe.
- Rand des Mundes. *Im Winter werden die Lippen schnell rissig.*
- Lippenähnlicher Rand, z. B. bei Pflanzen oder Wunden. *Die Blüte des Salbeis hat eine Ober- und eine Unterlippe.*
- Umgangssprachlich: freches Reden. *Riskier hier keine dicke Lippe!*
Formen und Komposita
| Merkmal | Form | Hinweis |
|---|---|---|
| Genus | die Lippe | feminin |
| Genitiv | der Lippe | unverändert |
| Plural | die Lippen | häufiger als der Singular |
| Diminutiv | das Lippchen | selten, zärtlich |
| Komposita | Lippenstift, Oberlippe, Lippenbekenntnis | sehr gebräuchlich |
Beispiele
- Sie biss sich auf die Lippe, um nicht zu lachen.Feste Wendung: sich auf die Lippe(n) beißen.
- Die Kinder hingen an den Lippen der Erzählerin.An jemandes Lippen hängen = gebannt zuhören.
- Sein Versprechen war ein reines Lippenbekenntnis.Abwertend: nur gesagt, nicht gemeint.
Herkunft: ein Wort aus dem Norden
Die Lippe ist ursprünglich ein niederdeutsches Wort. Im Süden sagte man im Mittelalter *Lefze*. Durch Luthers Bibelübersetzung setzte sich *Lippe* im ganzen Sprachraum durch; *Lefze* blieb nur für Tiere übrig, etwa für die Lefzen eines Hundes. Verwandt ist das englische *lip*. Übrigens heißt auch ein Fluss in Westfalen Lippe, ebenso der Kreis und das frühere Fürstentum Lippe um Detmold.
Was bedeutet „eine dicke Lippe riskieren“?
Es heißt, frech oder großspurig zu reden. Die Wendung ist umgangssprachlich.
Was ist ein Lippenbekenntnis?
Eine Zustimmung, die nur ausgesprochen, aber nicht gelebt wird – das Gegenteil eines gehaltenen Wortes.