Ding: Vom germanischen Gerichtstag zum Allerweltswort
Ein Ding ist ein Gegenstand, eine Sache oder ein Vorgang, oft wenn man den genauen Namen nicht kennt oder nicht nennen will. Umgangssprachlich bezeichnet es auch ein junges Mädchen.
Wenn einem das passende Wort fehlt, hilft das Ding. Es ist das vielleicht unbestimmteste Nomen der Sprache. Ursprünglich war ein Ding keine Sache, sondern eine Versammlung: der Gerichtstag der germanischen Stämme.
- Gegenstand, Sache. *Was ist das für ein Ding?*
- Angelegenheit, Vorgang. *Das ist ein Ding der Unmöglichkeit.*
- Umgangssprachlich: Mädchen. *Sie ist ein junges Ding.*
- Plural Dinge: Umstände. *So stehen die Dinge.*
Formen
| Merkmal | Form | Beispiel |
|---|---|---|
| Genus | das Ding (neutral) | ein seltsames Ding |
| Genitiv | des Ding(e)s | der Zweck des Dinges |
| Plural | die Dinge | die wichtigen Dinge im Leben |
| Plural (umgangssprachlich) | die Dinger | Was sind das für Dinger? |
| Kompositum | das Dingsbums | Platzhalter für Vergessenes |
Beispielsätze
- Vor allen Dingen brauchen wir Zeit.„Vor allen Dingen“ = vor allem.
- Wir sind guter Dinge.Gehoben: Wir sind zuversichtlich und gut gelaunt.
- Das Ding ist gelaufen.Salopp: Die Sache ist entschieden.
Herkunft: Ding und Thing
Althochdeutsch *thing* bezeichnete die Volks- und Gerichtsversammlung der Germanen. Weil dort Streitfälle verhandelt wurden, wurde daraus die „Rechtssache“ und schließlich jede beliebige Sache. Erhalten ist die alte Bedeutung in *Thing* und im Verb *verteidigen* (aus *vertagedingen*, „vor Gericht vertreten“). Auch das isländische Parlament *Althing* und der dänische *Folketing* tragen das Wort im Namen. Englisch *thing* ist dasselbe Wort. Heute steht Ding nahe bei Sache und Zeug.
Wann sagt man Dinge, wann Dinger?
Dinge ist standardsprachlich. Dinger ist umgangssprachlich für konkrete, oft unbekannte Gegenstände.
Was bedeutet „ein Ding drehen“?
Salopp für eine Straftat begehen, etwa einen Einbruch.