Pflicht oder Kür? Was man tun muss und was man tun darf
Eine Pflicht ist etwas, das man aus moralischen, rechtlichen oder beruflichen Gründen tun muss. Das Gegenstück ist oft das Recht oder die freiwillige Kür.
Die Pflicht ist ein Schlüsselwort der deutschen Kulturgeschichte. Der Philosoph Immanuel Kant machte sie zum Zentrum seiner Ethik. Für Kant war eine Handlung nur dann moralisch, wenn sie aus Pflicht geschah und nicht aus bloßer Neigung. Im Alltag geht es meist um Schulpflicht, Steuerpflicht oder Pflichttermine.
- Moralische Verpflichtung. *Es ist unsere Pflicht, Menschen in Not zu helfen.*
- Rechtliche Vorschrift. *In Deutschland gilt eine Schulpflicht.*
- Dienstliche Aufgabe. *Zu seinen Pflichten gehört die Kontrolle der Kasse.*
- Sport: Pflichtprogramm. *Nach der Pflicht folgt im Eiskunstlauf die Kür.*
Formen
| Merkmal | Form | Beispiel |
|---|---|---|
| Genus | die Pflicht | eine lästige Pflicht |
| Genitiv | der Pflicht | aus Gründen der Pflicht |
| Plural | die Pflichten | Rechte und Pflichten |
| Adjektiv | pflichtbewusst | ein pflichtbewusster Mitarbeiter |
| Verb | verpflichten | sich zu etwas verpflichten |
Beispiele
- Ich habe nur meine Pflicht getan.Bescheidene Antwort auf Lob.
- Er hat seine Pflicht verletzt.Recht und Beruf: Pflichtverletzung.
- Das Seminar ist Pflicht für alle Erstsemester.Prädikativ ohne Artikel: „etwas ist Pflicht“.
Herkunft
Das althochdeutsche *pfliht* bedeutete „Fürsorge, Obhut, Verkehr“ und ist mit dem Verb *pflegen* verwandt. Ursprünglich war eine Pflicht also das, was man sorgsam betreut. Erst später verengte sich die Bedeutung zum „Muss“. Verwandte Wörter im Wörterbuch sind Pflege und Aufgabe; das Gegenstück in vielen Gesetzestexten ist das Recht.
Was bedeutet „Pflicht und Kür“?
Die Pflicht ist das, was erledigt werden muss; die Kür ist das freiwillige, kreative Extra. Die Wendung kommt aus dem Eiskunstlauf und Turnen.
Ist Pflichtgefühl typisch deutsch?
Das ist ein Klischee. Die „preußischen Tugenden“ betonten Pflicht aber tatsächlich stark.