Was ist ein Narr? Vom Hofnarren bis zur Fastnacht
Ein Narr ist ein törichter Mensch oder jemand, der sich närrisch verhält; historisch auch der Spaßmacher am Hof und heute eine Figur der Fastnacht.
Der Narr hat in der deutschen Kultur zwei Gesichter: den Dummkopf und den Weisen in der Maske. Der Hofnarr durfte dem König Wahrheiten sagen, für die andere bestraft worden wären. Daraus stammt der Begriff „Narrenfreiheit“.
- Törichter Mensch. *Ich war ein Narr, ihm zu vertrauen.*
- Spaßmacher am Hof. *Der Narr trug eine Kappe mit Schellen.*
- Teilnehmer der Fastnacht. *Am Rosenmontag ziehen die Narren durch die Stadt.*
- Jemand, der sich lächerlich macht. *Ich will mich nicht vor allen zum Narren machen.*
Formen
| Merkmal | Form | Beispiel |
|---|---|---|
| Genus | der Narr | der alte Narr |
| Genitiv | des Narren | die Kappe des Narren |
| Plural | die Narren | Narren und Hexen |
| Femininum | die Närrin | eine Närrin |
| Adjektiv | närrisch | die närrische Zeit |
Beispielsätze
- Du hältst mich wohl zum Narren!Redewendung: jemanden täuschen oder verspotten.
- Er hat einen Narren an ihr gefressen.Umgangssprachlich: jemanden übermäßig gernhaben.
- Narri! Narro!Ruf der schwäbisch-alemannischen Fasnet; im Rheinland ruft man „Alaaf“ oder „Helau“.
Grammatik: schwaches Nomen
Narr gehört zu den schwachen Maskulina: Außer im Nominativ Singular endet es immer auf *-en*. Es heißt also „des Narren, dem Narren, den Narren“. „Dem Narr“ oder „den Narr“ gilt in der Standardsprache als Fehler. Nach demselben Muster werden etwa „Held“, „Mensch“ oder „Bär“ dekliniert. Beim Wort Irrer ist das anders, denn es wird wie ein Adjektiv gebeugt.
Was bedeutet „Narrenfreiheit haben“?
Die Erlaubnis, sich Dinge herauszunehmen, die anderen nicht gestattet wären – so wie früher der Hofnarr ungestraft spotten durfte.
Sagt man „Narr“ noch im Alltag?
Als Schimpfwort klingt es etwas altmodisch. Lebendig ist es vor allem in der Fastnacht und in festen Wendungen wie „zum Narren halten“ oder „einen Narren gefressen haben“.