Der Kunde oder die Kunde? Zwei Wörter, eine Schreibung
Der Kunde ist eine Person, die Waren kauft oder Dienstleistungen in Anspruch nimmt. Die Kunde ist ein gehobenes Wort für Nachricht oder Kenntnis.
Im Laden ist der Kunde angeblich König, in alten Erzählungen bringt ein Bote eine traurige Kunde. Am Artikel erkennt man, ob jemand etwas kauft oder etwas erfährt. Beide Wörter gehen auf dasselbe alte Verb zurück: *kennen*.
- Käufer, Auftraggeber (der Kunde). *Der Kunde hat sich beschwert.*
- Stammkunde, regelmäßiger Käufer. *Sie ist seit Jahren Kundin bei uns.*
- Typ, Kerl (umgangssprachlich, abwertend). *Das ist ein ganz schlauer Kunde.*
- Nachricht, Botschaft (die Kunde, gehoben). *Die Kunde von seinem Tod verbreitete sich schnell.*
- Wissen, Lehre (die Kunde, in Komposita). *Erdkunde, Heimatkunde, Naturkunde.*
Formen
| Kasus | der Kunde (Käufer) | die Kunde (Nachricht) |
|---|---|---|
| Nominativ | der Kunde | die Kunde |
| Genitiv | des Kunden | der Kunde |
| Dativ | dem Kunden | der Kunde |
| Plural | die Kunden | selten |
| Weiblich / Ableitung | die Kundin | die Kundschaft, kundig |
Beispielsätze
- Der Kunde ist König.Sprichwort des Handels; schwache Beugung: „dem Kunden“, nicht „dem Kunde“.
- Wir konnten den Kunden überzeugen.Akkusativ mit -n; ein typischer Fehler ist „den Kunde“.
- Davon gibt das Tagebuch Kunde.„Kunde geben von“ = berichten, bezeugen; sehr gehoben.
Kunde, Kundschaft und Kundschafter
- Das althochdeutsche *kund* bedeutete „bekannt“ – noch erhalten in *kundtun* und *Kundgebung*.
- Kundschaft ist die Gesamtheit der Kunden, früher aber auch „Erkundung“.
- Ein Kundschafter war ein Späher, der etwas erkunden sollte.
- Urkunde ist ein Schriftstück, das etwas bekannt macht und bezeugt.
- Auf dem Markt sagt man auch „Käufer“; bei Banken und Versicherungen ist „Kunde“ üblich.
Warum heißt es „des Kunden“?
Der Kunde ist ein schwaches Maskulinum: Außer im Nominativ Singular endet es auf -n.
Ist „die Kunde“ veraltet?
Im Alltag ja, in Literatur und gehobener Sprache lebt es aber noch.