Gewebe: vom Webstuhl bis zur Biologie
Gewebe ist ein durch Weben hergestellter Stoff und in der Biologie ein Verband gleichartiger Zellen mit gemeinsamer Aufgabe, etwa Muskel- oder Nervengewebe.
Ein Gewebe entsteht, wenn sich Fäden rechtwinklig kreuzen: Kettfäden laufen längs, Schussfäden quer. Was am Webstuhl mit Fäden geschieht, macht der Körper mit Zellen – deshalb heißen beide Ergebnisse Gewebe. Das Wort gehört zum Verb *weben* und ist mit der Vorsilbe *Ge-* gebildet, die oft eine Gesamtheit ausdrückt – wie bei *Gebirge* oder *Gebäude*.
- Gewebter Stoff. *Das Gewebe ist dicht und reißfest.*
- Verband gleichartiger Zellen. *Die Ärztin entnahm eine Probe des Gewebes.*
- Übertragen: dichtes Geflecht. *Er verstrickte sich in ein Gewebe aus Lügen.*
Formen
| Merkmal | Form | Hinweis |
|---|---|---|
| Genus | das Gewebe | neutral, Kollektivbildung mit Ge- |
| Genitiv | des Gewebes | — |
| Plural | die Gewebe | unverändert |
| Verb | weben | webte/wob, gewebt/gewoben |
| Komposita | Bindegewebe, Fettgewebe, Mischgewebe | Medizin und Textil |
Beispiele
- Bindegewebe gibt den Organen Halt.Medizinisch-neutral.
- Das Etikett nennt ein Mischgewebe aus Baumwolle und Polyester.Textilsprache.
- Die Narbe besteht aus festem Gewebe.Auch Narbengewebe genannt.
Gewebe und Text: eine gemeinsame Idee
Das lateinische *texere* heißt ‚weben, flechten‘, *textus* bedeutet ‚Gewebe‘. Daraus wurde unser Wort Text: Ein Text ist gewissermaßen ein Gewebe aus Wörtern. Auch *Textil* stammt daher. Das deutsche Gewebe selbst ist dagegen germanisch und mit dem englischen *weave* verwandt; ebenso gehört die *Wabe* der Bienen zu dieser Wortfamilie – ein ‚Gewebe‘ aus Wachs.
Was ist der Unterschied zwischen Gewebe und Gewirke?
Beim Gewebe kreuzen sich zwei Fadensysteme rechtwinklig; beim Gewirke oder Gestrick bilden Fäden Maschen. Deshalb sind Strickwaren dehnbarer.
Welche Gewebearten gibt es im Körper?
Die Biologie unterscheidet vier Grundgewebe: Epithel-, Binde- und Stütz-, Muskel- und Nervengewebe.