Geier: Aasfresser am Himmel und Bild für Gier
Der Geier ist ein großer Greifvogel, der sich überwiegend von Aas ernährt. Übertragen nennt man so einen habgierigen Menschen, der vom Unglück anderer profitieren will.
Der Geier kreist hoch am Himmel und hält Ausschau nach verendeten Tieren. Sein Ruf ist schlecht, sein Nutzen groß: Geier sind die Gesundheitspolizei der Natur – sie beseitigen Kadaver, bevor sich Krankheiten ausbreiten. Im Deutschen dient der Vogel trotzdem vor allem als Bild für Gier.
- Großer, aasfressender Greifvogel. *Über der Steppe kreisten drei Geier.*
- Übertragen: habgieriger Mensch. *Nach dem Unfall standen die Geier von der Presse schon vor der Tür.*
- In Ausrufen, verhüllend für den Teufel. *Weiß der Geier, wo meine Schlüssel sind!*
Formen
| Merkmal | Form | Hinweis |
|---|---|---|
| Genus | der Geier | maskulin |
| Genitiv | des Geiers | starke Deklination |
| Plural | die Geier | endungslos |
| Arten | Gänsegeier, Bartgeier, Mönchsgeier | in Europa heimisch |
| Komposita | Pleitegeier, Geierblick | übertragen |
Beispielsätze
- Im Alpenraum wurde der Bartgeier erfolgreich wieder angesiedelt.Sachlich; Naturschutzthema in Österreich und der Schweiz.
- Über der Firma kreist schon der Pleitegeier.Feste Wendung: die Firma steht kurz vor dem Bankrott.
- Hol’s der Geier!Veralteter, derber Fluch; heute eher scherzhaft.
Redewendungen mit dem Geier
- Weiß der Geier! – „Keine Ahnung!“; *Geier* ersetzt hier ursprünglich verhüllend den Teufel.
- Der Pleitegeier kreist – ein Unternehmen ist vom Bankrott bedroht. Das Wort ist wohl aus jiddisch *pleite gehen* und dem Geier als Todesboten zusammengewachsen.
- Wie die Geier – gierig, rücksichtslos: *Die Erben stürzten sich wie die Geier auf das Haus.*
Ist der Geier ein Adler?
Nein. Beide sind Greifvögel, aber Geier jagen kaum selbst und fressen vor allem Aas; Adler erbeuten lebende Tiere.
Ist „Geier“ als Bezeichnung für Menschen beleidigend?
Ja, es ist abwertend und unterstellt Habgier oder Sensationslust.