Ade! Ein alter Abschiedsgruß
„Ade“ ist ein Abschiedsgruß, der vor allem im Süden des deutschen Sprachraums, in Liedern und Gedichten vorkommt. Als Substantiv „das Ade“ bedeutet es Lebewohl.
Ade klingt nach Volkslied und Wanderschaft: „Winter ade, Scheiden tut weh“, singen Kinder bis heute. In Schwaben und im Allgäu ist „ade“ allerdings kein Museumswort, sondern ein ganz normaler Gruß beim Gehen. Anderswo wirkt es poetisch oder altmodisch, und viele kennen es nur noch aus Liedern wie „Nun ade, du mein lieb Heimatland“.
- Abschiedsgruß, Lebewohl. *Ade, bis morgen!*
- Substantiv: das Ade. *Sie sagte der Großstadt Ade und zog aufs Land.*
- Gehoben: endgültiger Abschied. *Er nahm Ade von seinen Freunden und verließ das Dorf.*
Formen und Varianten
| Form | Beispiel | Hinweis |
|---|---|---|
| Interjektion | ade! | schwäbisch, bairisch, poetisch |
| Substantiv | das Ade | meist in „Ade sagen“ |
| Schreibung | ade / adee | schwäbisch oft mit langem e |
| Verwandt | adieu | französische Vorlage |
| Verwandt | tschüss | über niederdeutsch atschüs |
Beispielsätze
- Ade, mach’s gut!Süddeutsch, besonders in Baden-Württemberg; freundlich-informell.
- Viele sagen dem Bargeld langsam Ade.Übertragen: sich von etwas verabschieden; „Ade“ großgeschrieben.
- Winter ade, Scheiden tut weh.Kinderlied von Hoffmann von Fallersleben, 1835.
Von „à Dieu“ zu „tschüss“
*Ade* kam im Mittelalter aus altfranzösisch *adé* ins Deutsche, einer Form von *à Dieu*, „Gott befohlen“. Das spätere Adieu ist dieselbe Formel in jüngerer Gestalt. Erstaunlich ist die Verwandtschaft mit *tschüss*: Es entstand über niederdeutsch *adjüs* aus spanisch *adiós* oder französisch *adieu*. Wer „tschüss“ sagt, wünscht also ursprünglich ebenfalls Gottes Schutz.
Schreibt man „Ade sagen“ groß?
Ja, als Substantiv: *jemandem Ade sagen*. Die Kleinschreibung *ade sagen* ist ebenfalls zulässig.
Ist „ade“ höflich?
Ja, es ist freundlich und neutral; in Norddeutschland wirkt es nur ungewohnt.