Gericht: Ort der Rechtsprechung – oder Speise auf dem Teller?
Ein Gericht ist eine staatliche Stelle, die Recht spricht, und das Gebäude dafür. Ein anderes Wort Gericht bezeichnet eine zubereitete Speise.
Wer „vor Gericht“ steht, hat Ärger; wer ein „Gericht“ kocht, hat Hunger. Beide Bedeutungen kommen vom Verb „richten“ – einmal im Sinn von urteilen, einmal im Sinn von zubereiten. Das Nomen Gericht ist in beiden Fällen sächlich.
- Staatliche Rechtsprechung. *Das Gericht verurteilte ihn zu einer Geldstrafe.*
- Gerichtsgebäude. *Wir treffen uns vor dem Gericht.*
- Zubereitete Speise. *Spaghetti sind ihr Lieblingsgericht.*
- Strafe, Urteil (religiös). *Das Jüngste Gericht.*
Formen
| Merkmal | Form | Hinweis |
|---|---|---|
| Genus | das Gericht | neutrum |
| Genitiv | des Gerichts / des Gerichtes | beide korrekt |
| Plural | die Gerichte | beide Bedeutungen |
| Adjektiv | gerichtlich | nur für Justiz |
| Komposita | Amtsgericht, Hauptgericht, Fertiggericht | Hauptgericht = Hauptspeise |
Beispielsätze
- Wir sehen uns vor Gericht!Drohung mit einer Klage.
- Als Hauptgericht gibt es Schnitzel.Speisekarte, Restaurant.
- Mit seinen Kritikern ging er hart ins Gericht.Redewendung: jemanden streng kritisieren.
Ein Verb, zwei Wege
Das Justizwort kommt von althochdeutsch *girihti* und gehört zu *richten* „urteilen“ – verwandt mit Richter und Recht. Das Speisewort gehört zu *anrichten* „zubereiten, auftischen“: Was angerichtet wurde, ist ein Gericht. Beide Verben gehen letztlich auf *recht* „gerade, richtig“ zurück, die Bedeutungen haben sich aber früh getrennt. Deutsche Gerichte sind gestuft: Amtsgericht, Landgericht, Oberlandesgericht, Bundesgerichtshof. Wer gut kocht, kennt viele Gerichte, und wer eines bestellt, liest die Karte.
Was ist der Unterschied zwischen Gericht und Speise?
Speise ist allgemeiner und gehobener. Gericht meint ein bestimmtes, zubereitetes Essen.
Wie heißt das höchste deutsche Gericht?
Für Verfassungsfragen das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe; für Zivil- und Strafsachen der Bundesgerichtshof.