Brief oder „brief“? Ein kurzes Wort mit langer Geschichte
Ein Brief ist eine schriftliche, meist persönliche Mitteilung, die in einem Umschlag verschickt wird. Mit dem englischen Adjektiv „brief“ (kurz) ist er nur entfernt verwandt.
Der Brief ist die klassische Form der schriftlichen Nachricht: Papier, Umschlag, Briefmarke. Obwohl heute vor allem E-Mails verschickt werden, sprechen Juristen und Banker noch immer vom Brief – als Urkunde. Das Wort ist älter als die Post selbst.
- Schriftliche Mitteilung. *Ich habe meiner Oma einen langen Brief geschrieben.*
- Urkunde, amtliches Schriftstück. *Für das Auto brauchst du den Fahrzeugbrief.*
- Wertpapier (Börse). *Der Kurs wird als Brief und Geld angegeben.*
Formen
| Merkmal | Form | Hinweis |
|---|---|---|
| Genus | der Brief | maskulin |
| Genitiv | des Briefes / des Briefs | beide korrekt |
| Plural | die Briefe | kein Umlaut |
| Diminutiv | das Briefchen | auch: kleines Päckchen |
| Komposita | Briefkasten, Liebesbrief, Briefträger | Briefträger = Postbote |
Beispielsätze
- Der Brief ist heute mit der Post gekommen.Neutral, alltäglich.
- Darauf gebe ich dir Brief und Siegel.Redewendung: Ich garantiere es dir.
- Sehr geehrte Damen und Herren, …Typische Anrede im formellen Brief; danach klein weiterschreiben.
Falscher Freund: Brief ≠ brief
Das deutsche Wort stammt aus dem lateinischen *breve (scriptum)*, „kurzes Schreiben“, und bezeichnete im Mittelalter zunächst eine Urkunde. Das englische *brief* kommt aus derselben Wurzel, ist aber ein Adjektiv: *a brief meeting* heißt „ein kurzes Treffen“. Der deutsche Brief heißt auf Englisch *letter*. Ein „Briefing“ wiederum ist eine kurze Einweisung – hier blieb die alte Bedeutung „kurz“ erhalten. Wer statt eines Briefes eine kurze Nachricht schickt, schreibt eine Karte.
Wie beginnt man einen Brief?
Mit Ort und Datum, dann der Anrede, etwa *Liebe Anna,* oder *Sehr geehrter Herr Meier,* – nach dem Komma geht es klein weiter.
Was ist ein „blauer Brief“?
Umgangssprachlich eine unangenehme Mitteilung, früher die Warnung der Schule bei gefährdeter Versetzung, heute oft eine Kündigung oder Mahnung.